Multivitamine – Bestehen Risiken, Neben- und Wechselwirkungen?
Multivitamine gelten im Allgemeinen als sicher und gut verträglich. Dennoch können – wie bei fast jedem Nahrungsergänzungsmittel oder Medikament – Nebenwirkungen, Risiken und unerwünschte Wechselwirkungen auftreten. Diese sind insbesondere dann relevant, wenn hohe Dosierungen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden oder andere gesundheitliche Faktoren eine Rolle spielen. Ein informierter Umgang mit Multivitaminen hilft, mögliche Probleme zu vermeiden.
Überdosierung bestimmter Vitamine
– Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K):
Da diese Vitamine im Körperfett gespeichert werden, kann es bei langfristiger, übermässiger Einnahme zu Hypervitaminosen kommen. Beispielsweise kann eine zu hohe Vitamin-A-Zufuhr Kopfschmerzen, Hautprobleme und bei extremen Überdosierungen Leberprobleme verursachen.
– Wasserlösliche Vitamine (z. B. C, B-Vitamine):
Überschüsse werden in der Regel mit dem Urin ausgeschieden. Dennoch kann eine extreme Überdosierung von Vitamin C zu Magen-Darm-Beschwerden führen.
Mineralstoffe und Spurenelemente: Risiken bei hoher Dosierung
– Eisen und Zink:
Zu viel Eisen kann zu Magenbeschwerden, Verstopfung und in seltenen Fällen zu Leberschäden führen. Ein Überschuss an Zink kann die Kupferaufnahme beeinträchtigen und langfristig zu Mangelzuständen oder Immunschwächen führen.
– Selen:
Übermässige Seleneinnahme kann Haarausfall, Magen-Darm-Probleme oder ein sogenanntes Knoblauchatem-Syndrom auslösen.
Wechselwirkungen mit Medikamenten
– Vitamin-K-haltige Präparate bei Blutverdünnern:
Personen, die Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen (z. B. mit dem Wirkstoff Warfarin), sollten aufpassen, da hohe Vitamin-K-Gaben die Wirksamkeit dieser Mittel beeinträchtigen können.
– Calcium und Eisen:
Calcium kann die Aufnahme von Eisen hemmen. Wer beides gleichzeitig einnimmt, riskiert eine geringere Eisenverfügbarkeit.
Magen-Darm-Beschwerden und Unverträglichkeiten
Hohe Dosierungen von Mineralstoffen wie Magnesium oder Eisen können bei empfindlichen Personen zu Magenverstimmungen, Übelkeit oder Durchfall führen. In solchen Fällen empfiehlt es sich, die Dosis zu reduzieren oder das Präparat mit einer Mahlzeit einzunehmen.
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
– Bei chronischen Erkrankungen (z. B. Niereninsuffizienz, Lebererkrankungen) oder regelmässiger Medikamenteneinnahme sollte vor der Einnahme von Multivitaminen ein Arzt konsultiert werden.
– Bei Auftreten von Nebenwirkungen oder ungewöhnlichen Symptomen lohnt sich ein Gesundheitscheck, um mögliche Zusammenhänge aufzudecken.
Multivitamine sind für die meisten Menschen sicher, doch ist ein bewusster Umgang ratsam. Zu hohe Dosierungen, langfristige Einnahme ohne Notwendigkeit oder unberücksichtigte Wechselwirkungen mit Medikamenten können Probleme verursachen. Wer unsicher ist, sollte professionellen Rat einholen, um Nutzen und Risiken individuell abzuwägen.
Wissenschaftliche Quellen:
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